FLASH Filmproduktion & Filmstudio Köln // Eintrachtstr. 18-20 // 50668 Köln

Oft gestellte Fragen

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Wie entstand die „Sendung mit der Maus“?

Überlegungen zu einem neuen Fernsehen für Kinder:

In den 60er Jahren, als das Fernsehen immer mehr Einzug in die deutschen Wohnzimmer hielt, gab es bald auch erste Sendungen für Kinder. Dieses Programm sollte g-a-n-z l-a-n-g-s-a-m sein. Am liebsten mit einer „Tante“, die etwas vorlas – zum Beispiel ein Märchen – oder einem „Onkel“, der mit den Kindern etwas bastelte. Das Ganze im Studio mit sehr langen Einstellungen. Kurze Schnitte waren absolut tabu.

Schon damals gab es aber auch „Werbefernsehen“, und zwar in der Zeit zwischen 18 und 20 Uhr. Und weil zwischen den einzelnen Werbespots Zeichentrickfiguren ihre Späße trieben, schauten viele Kinder das gerne an. Wie heute waren diese Werbespots – im Vergleich zum „normalen“ Programm – ziemlich kurz geschnitten. Nun hätten ja, nach der Theorie, dass kurze Schnitte für Kinder unverständlich seien, unsere Kinder von den Spots nichts mitbekommen dürfen.

Die Wirklichkeit sah anders aus: Wie wir (Gert K. Müntefering – Redakteur fürs Kinderprogramm –, Siegfried Mohrhof – Abteilungsleiter – und ich – freier Regisseur) durch Beobachtung der eigenen Kinder und der Kinder von Bekannten feststellen konnten, kannten unsere „lieben Kleinen“ spätestens am dritten Tage alle Gags, die in den Spots vorkamen, auswendig. („Kuck mal Papa, gleich fällt der wieder durch die Tür“.) Und sie konnten die Melodien mitsingen oder mitpfeifen.

Neues Fernsehen für Kinder sollte also vielleicht etwas von dem Aufgreifen, was Kinder an den kurzen Geschichten der Werbespots gefiel. Werbespots sind in der Regel aufwendig produziert und erstklassig fotografiert. Gute Spots erzählen eine „kleine Geschichte“, oft mit einem Witz oder Gag. Jeder Spot hat nur eine einzige „Botschaft“. Um die Zuschauer bei Laune zu halten, wird aufwendige Musik benutzt, kurze Schnitte sind offensichtlich kein Problem und Werbespots befassen sich mit Dingen „aus dem wirklichen Leben“.

Auf Grund dieser Erkenntnisse entstand die Idee zu kurzen Filmen, aus der Alltagswelt der Kinder, die sie kennen. Jeder Film sollte nur ein winziges Detail aus der Wirklichkeit abbilden. Es sollte Spaß machen, zuzuschauen, man sollte nichts lernen müssen. Allerdings wäre es gut, wenn der Zuschauer ein „Aha-Erlebnis“ mitnimmt und am Ende nicht dümmer ist als vorher. Bei uns sollte niemand irgendwelche Voraussetzungen haben müssen. Wir wollten jeden „auf die Reise mitnehmen“. Schließlich arbeiteten wir ja für ein „Unterhaltungsmedium“. Daher wollten wir auch mit Musik arbeiten, die uns jeden Tag umgab. Es sollte keinen „erklärenden Kommentar“ geben, die Bilder sollten die Geschichten erzählen. Wir wollten dem Bestandteil „sehen“ im Wort „Fernsehen“ mehr Aufmerksamkeit widmen.

Der große Zusammenhang dahinter war für uns der, dass bei einem Mosaik das einzelne Steinchen auch nicht alles zeigt, wenn man aber zurücktritt, ergibt sich aus vielen Steinchen ein Gesamtbild. So stellten wir uns vor, dass jeder Film selbstverständlich auch nicht die ganze Welt darstellen konnte, wenn man aber mehrere davon gesehen hätte, würde sich – vielleicht – im Laufe der Zeit ein Gesamtzusammenhang herstellen.

Jeder dieser Punkte, die heute so einleuchtend klingen, war damals Gegenstand langer Diskussionen, die sich zum Teil über Jahre hinzogen. Vieles war ungewöhnlich, manches sogar ein Tabubruch.

Und als „Gebrauchsanweisung“ aufgeschrieben wurden diese Punkte nie. Es war eher eine Art geistiges Rüstzeug, immer wieder neu diskutiert. Wir konnten deutlicher das artikulieren, was wir nicht wollten, als genau zu formulieren, wie es denn konkret aussehen sollte. Wir hatten selber keine Ahnung, ob das denn auch alles funktionieren würde. Es war der Versuch, eine neue Tür aufzustoßen.

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Welche Filme waren die ersten Sachgeschichten?

Anfang 1969 wurden die ersten Themen gefunden: Schon damals wohnten viele Kinder in einer städtischen Umgebung, sie hatten keinen direkten Zugang mehr zur Herkunft ihrer Nahrungsmittel. Manche stellten sich sogar vor, die Milch wächst im Kühlschrank und die Eier im Supermarkt. Wir wollten zeigen, welch langen Weg das Brötchen, die Milch und das Ei schon hinter sich hatten, bevor sie auf dem Frühstückstisch landeten.

Dass jedes Kind – selbst das ärmste – Brötchen, Milch und Ei kannten, davon gingen wir aus. Und „Frühstück“ war auch eine bekannte Situation. Also sollten die Geschichten auf dem Frühstückstisch anfangen und dann, Schritt für Schritt, rückwärts bis zum Ausgangspunkt gehen. Beim Brötchen bis zum Mehl, bei der Milch bis zur Kuh und beim Ei bis zum eierlegenden Huhn.

Dort angekommen sollten alle Stationen in einer Art „Schnelldurchlauf“ noch einmal vorwärts gezeigt werden, so dass wir am Ende wieder auf dem Frühstückstisch landeten.

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Was unterschied diese Sachgeschichten vom bisherigen Programm?

Die uns umgebende „Wirklichkeit“ sollte so dargestellt werden, wie sie ist. Also keine Hochglanzbäckerei, sondern die „Bäckerei von nebenan“. Es sollten weder die Wände neu gestrichen werden, noch sollten die Mitwirkenden in frisch gebügelten Sachen auftauchen oder die Verkäuferinnen mit frisch ondulierten Locken.

Die Kühe sollten nicht in einem „Vorzeigebetrieb“ stehen, sondern in einem ganz normalen Kuhstall, und bei den Hühnern sollte es nicht das einsame „glückliche Berghuhn“ auf dem Misthaufen sein sondern Hühner in einer Legebatterie.

Alltag eben, damals aber sehr ungewöhnlich, denn wenn „DAS FERNSEHEN“ kam, wurde erst mal alles auf Hochglanz gebracht.

Jeder Film sollte nur so lang sein wie ein Musikstück. Für das „Brötchen“ wählte ich Roger Whittackers „Paraguayan whistler“ aus, für die „Milch“ ein Stück aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und für das „Ei“ den Titel „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“. Wobei ich diesen letzten Titel ironisch einsetzte, denn die Welt für die Batteriehühner war durchaus nicht in Ordnung, auch nicht morgens um sieben.

Bei einer Länge von 3’36“ besteht das „Brötchen“ aus 71 verschiedenen Bildern. „Milch“ und „Ei“ liegen ähnlich. Entsprechend kurz waren damals die einzelnen Schnitte. Von heute aus gesehen, gemütlich langsam, damals rasend schnell. Wir alle waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden, das war doch modernes Fernsehen!

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Wie waren die ersten Reaktionen auf die Sachgeschichten?

Stolz auf das Erreichte nahm Gert Müntefering die Filme und führte sie auf diversen Symposien vor Kindergärtnerinnen und Pädagogen vor.

Und wurde sofort beschimpft:

„Ihr übergießt die Wirklichkeit mit einer himbeerroten Soße aus Musik“ – „Ihr macht unsere Kinder sprachlos“ – „Ihr benennt die Dinge nicht“ – „Ihr zeigt nicht die ausgebeuteten Massen“ – „Ihr seid die Tui’s des Kapitals“ – „Ihr hinterlasst die Kinder orientierungslos“ – und natürlich „Alles viel zu schnell!“

Das waren noch die harmlosesten. Es gab praktisch keinen Vorwurf, der uns nicht gemacht wurde. Den „Linken“ waren wir zu „rechts“, den „Rechten“ zu „links“.

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Was veränderte sich daraufhin?

Ganz geknickt kam Gert Müntefering zurück und erzählte von den Reaktionen. Es gab erneute Diskussionen: An welchen Stellen hatten die Kritiker vielleicht doch nicht so ganz Unrecht? Es gab eine Zweite Staffel der Sachgeschichten mit längeren Einstellungen, die Musik nur punktuell einsetzen, einzelne Dinge wurden „benannt“, aber höchstens mit einem Satz, lieber nur mit Stichworten.

Zwei Filme wurden gedreht: „Autobahn“ und „der Anstreicher kommt“. Jeder war diesmal etwa 8 Minuten lang. Es wurden die langweiligsten Filme, die ich je gemacht habe. Damit waren dann die Kritiker schon viel zufriedener, wir aber nicht.

Wieder Diskussionen, Überlegungen. Zurück zu den kurzen Filmen. Stichworte beibehalten, Musik nur punktuell einsetzen.

Neuer Dreh, und mit der dritten Staffel, mit „Löffel“, „Gabel“ und „Ball“ hatten wir dann die Grundform für die Sachgeschichten gefunden. Mit den so genannten „Stills“, Bildern, die auf neutralem Untergrund die Zwischenprodukte des jeweiligen Vorgangs noch einmal einzeln und in Großaufnahme zeigten. Diese Form hat sich bis heute in vielen Fällen bewährt.

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Wie kam die „Maus“ ins Programm?

Zuerst hieß die Sendung „Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger“.

Bei „Fernsehanfängern“ musste es sich aber nicht unbedingt um Kinder handeln, das konnten auch für Erwachsene sein, die sich gerade erst einen Fernsehapparat angeschafft hatten. Denn nicht in jedem Haushalt stand damals einer.

Gert K. Müntefering kannte das Buch „28 Lachgeschichten“ von Ursula Wölfel. Das waren kurze und sehr ungewöhnliche Geschichten über Menschen und Tiere, eben Lachgeschichten. Einige Grafiker wurden beauftragt, Geschichten aus diesem Buch für das Fernsehen umzusetzen. Dazu gehörte die Geschichte „Die Maus im Laden“. Isolde Schmitt-Menzel bekam die Aufgabe, daraus eine Bildergeschichte zu machen. Sie malte also große Bilder, die dann von einem Kameramann abgefilmt wurden. In dieser Bildergeschichte ist die Maus auch schon orange, sie bewegte sich aber nicht. Als dann die Redaktion aus den verschiedenen Filmen ein Magazin für eben diese Fernsehanfänger machen wollten, fehlte ihnen eine Moderationsfigur. Es sollte kein Mensch sein und schon gar keine Puppe. Aber eine Liebhabefigur. Und als sie in dem Büro von Monika Paetow überlegten, ob es vielleicht ein Nilpferd sein könnte, fiel ihr Blick auf die Bildtafeln von Isolde Schmitt-Menzel. Und so kam es, dass Isolde Schmitt-Menzel gefragt wurde, ob sie Ideen für kleine Filme mit dieser Maus entwickeln könne.

Siegfried Mohrhof kannte den Trickfilmer Friedrich Streich und wusste, dass der die Maus in Bewegung setzen kann. Also wurde Friedrich Streich angerufen und gemeinsam haben dann Monika, Isolde und Friedrich die Ideen besprochen und Friedrich Streich hat mit seinen Mitarbeitern daraus Trickfilme gemacht. Damit die Maus sich richtig bewegte, mussten ganz viele Einzelbilder gezeichnet werden.

Als am 7. März 1971 die erste Folge der Lach- und Sachgeschichten in der ARD ausgestrahlt wurde, waren bereits die Maus-Spots dabei. Die Lachgeschichte „Die Maus im Laden“ wurde dann am 10. März 1971 ausgestrahlt.  Die erste Serie der Lach- und Sachgeschichten 1971 war so erfolgreich, dass im WDR beschlossen wurde, für 1972 weitere neue Folgen zu produzieren und dafür brauchte man einen Titel. Und weil die Maus  ja immer zwischen den Lach- und Sachgeschichten aufgetreten war, wie ein Moderator, nannten die Zuschauer die Sendung bereits, die „Sendung mit der Maus“.

Seit dem 23. Januar 1972 heißt die Sendung nun auch „Die Sendung mit der Maus“.

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Warum spricht die Maus nicht?

Sie sollte nicht sprechen, denn quasselnde Trickfilmfiguren gab es damals schon zu Hauf. Jede Maus-Episode sollte eine kleine abgeschlossene Geschichte erzählen, möglichst mit einem unerwarteten pfiffigen Schluss.

Sie sollte sowohl als „Trenner“ als auch als „Verbinder“ zwischen den einzelnen Beiträgen fungieren. Die Kinder sollten Zeit haben, sich zu entspannen, nachdem sie einer Sachgeschichte – vielleicht – konzentriert gefolgt waren.

Sozusagen als stummer Moderator, was eigentlich ein Widerspruch in sich selbst ist. Wahrscheinlich genau deswegen hat sie so lange überlebt.

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Ist die Maus männlich oder weiblich?

Eine der meist gestellten Fragen. Sie ist weder das eine noch das andere. Es ist eine geschlechtlose technische Maus, die in ihrem Bauch einen Wecker oder alles mögliche Werkzeug hat, die ihre Beine nach Belieben verlängern, die mit dem ausgerissenen Schwanz Seilchen springen, oder auch mit einem ausgerupften Ohr Suppe löffeln kann. Insofern ist sie keine anatomisch richtige Maus. Es ist eine Zeichentrickfigur, die nur der Logik von Zeichentrickfiguren unterliegt, sonst nichts.

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Seit wann gibt es den Elefanten?

Der kleine blaue Elefant kam schon 1975 dazu. Friedrich Streich hat ihn geschaffen.

Er ist kleiner als die Maus, weil das die Umkehrung der normalen Verhältnisse ist. Im wirklichen Leben ist es ja genau anders herum. Auch das unterliegt der Logik von Zeichentrickfilmen, dass man die Wirklichkeit umdrehen kann. Dass der Elefant blau ist, liegt daran, dass dieses blau im Farbkreis genau dem orange der Maus gegenüber liegt. Sozusagen der Gegenpol.

Warum gibt es den Elefanten? Das ist wie beim Spielen. Wenn man alleine spielt, gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Dingen, die man machen kann. Spielt man zu zweit, ergeben sich viel mehr Möglichkeiten. Das gilt auch beim Film.

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Seit wann gibt es die Ente?

Die freche gelbe Ente wurde erstmals 1987 ausgestrahlt. Immer wenn die auftaucht, kommt Chaos in die Bude. Auch die Ente wurde von Friedrich Streich erfunden.

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Wird es in Zukunft noch neue Charaktere geben?

Das weiß man nie, im Moment ist aber noch nichts in der Pipeline.

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Woher kommen die ganzen Ideen für die Sachgeschichten?

Viele Fragen kommen von Kindern. Sie schreiben per Post oder per E-Mail. Jede Woche etwa 1000 Zuschriften. Vor ein paar Jahren gab’s eine Aktion „Frag doch mal die Maus“ Da kamen 75.000 Fragen. Daran arbeiten wir immer noch. Aber manchmal fällt uns auch selbst was ein.

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Wie wird eine Sachgeschichte produziert?

Das wichtigste ist die Recherche. Die dauert auch am längsten. Sie zieht sich manchmal über Monate seltener sogar über Jahre hin. Längste Recherchezeit für einen Film („Was macht das Vitamin C im Körper“) 3 Jahre. Das bedeutet, man muss Fachleute finden, die sich mit dem jeweiligen Thema wirklich gut auskennen. Klingt einfach, kann aber auch ziemlich nervig sein, denn nicht selten widersprechen sich „Experten“ gegenseitig. Wie findet man da die wirkliche Wahrheit? Wenn man dann alles selbst erst mal begriffen hat, ist das aber noch lange nicht die Geschichte. Die muss man sich dazu an Hand der Fakten erst ausdenken.

Dann schreibt man ein Drehbuch und stimmt das mit der Redaktion ab. Hat die noch Fragen oder Änderungswünsche, werden die eingearbeitet.

Danach werden die Drehorte gesucht und der Drehtermin geplant. Dann folgen die Dreharbeiten. Je nach Thema können die einen Tag oder ein Dreivierteljahr dauern. Beides – und jede Zeit dazwischen – ist schon vorgekommen.

Danach wird das gedrehte Material geschnitten und vertont. Ganz zum Schluss erzähle ich die Geschichte dazu.

Dann kommt der zuständige Redakteur und „nimmt den Film ab“. Bedeutet, er sagt, ob er alles verstanden hat, und ob er die Geschichte gut findet, oder auch nicht. Der Redakteur ist der erste Zuschauer. Wenn dem etwas nicht gefällt, muss es geändert werden, im Ernstfall muss sogar noch etwas nachgedreht werden.

Entsprechend muss der Film dann nachgeschnitten werden oder auch neu erzählt.

Ist alles zur Zufriedenheit der Redaktion, werden die Tonspuren gemischt, das Bild wird licht- und farbbestimmt.

Danach wird ein „Master“ ausgespielt, das wird beim Sender abgeliefert und der setzt die Geschichte dann in die jeweilige Sendung ein.

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Haben sich die Sachgeschichten im Laufe der Jahre verändert?

Aber sicher doch. Einerseits gibt es heute Fragen, die man vor 30 Jahren noch gar nicht stellen konnte, zum Beispiel „Wie funktioniert ein Handy“. Gab’s damals noch gar nicht. Andererseits gibt es Fragen, die immer wieder auftauchen, zum Beispiel „Warum ist der Himmel blau“. Alle Geschichten sind schneller geworden. Die Sehgewohnheiten haben sich verändert. Waren die Filme anfangs völlig ohne Text, später nur mit Stichworten versehen, werden sie heute durcherzählt.

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Stimmt es, dass Armin die Filme ohne geschriebenes Konzept erzählt?

Ja.

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Seit wann gibt es die zweisprachigen Vorspänne?

Diese Vorspänne gibt es bereits seit 1973. Das geht zurück auf die Zeit, als die ersten „Gastarbeiter“ mit ihren Familien nach Deutschland kamen. Wir wollten den Kindern dieser Familien die Chance geben, zumindest zu verstehen, um welches Thema es in der jeweiligen Geschichte ging, selbst wenn sie den gesamten deutschen Text (noch) nicht verstanden.

Und so waren die ersten Fremdsprachen auch die der ersten „Gastarbeiter“-Generationen: italienisch, spanisch, portugiesisch und (damals) serbo-kroatisch.

Diese fremden Sprachen machten auch den deutschen Kindern Spaß, sie rätselten, zu welchem Land die denn gehörten.

Diese Vorspänne bekamen eine Eigendynamik. Viele Kinder schrieben, warum macht Ihr das denn nicht auch mal in polnisch (als Beispiel), und so wurden im Laufe der Jahre aus den ursprünglichen vier fast alle Sprachen der Welt, von Kisuaheli über Latein, Luxemburgisch, Russisch, bis hin zu Chinesisch.

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Seid ihr auch mal richtig gescheitert?

Klar. Es war die „Blumenuhr“.

Carl von Linné war ein Naturwissenschaftler, der gut 300 Jahren beobachtet hatte, dass bestimmte Blumen ihre Blüten zu einer bestimmten Uhrzeit öffnen und zu einer anderen – ebenfalls festgelegten – Zeit wieder schließen. Fanden wir spannend, wollten wir ausprobieren.

Der erste Schritt war, eine Gärtnerei zu finden, die alle – uns meist unbekannten – Blumenarten besorgen konnte. Hilfe fanden wir bei einer Gärtnerei in der Gegend von Hamburg.

Unsere Idee war, eine riesige Uhr (Durchmesser ca. 1,50 m) zu nehmen und rundherum die Blumen in Töpfen zu der entsprechenden Uhrzeit zu stellen, wo sie ihre Blüten öffnen sollten. Das gleiche noch mal mit den Schließzeiten.

Dann haben wir Zeitrafferkameras aufgebaut und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Das ganze Unternehmen würde sich über 24 Stunden hinziehen.

Deswegen haben wir Zelte neben dieser Anordnung aufgebaut, um im Schichtdienst die ganzen Kameras unter Kontrolle zu behalten. Alle 4 Stunden war „Wachwechsel“. Um Mitternacht ging es los.

Ich hatte die zweite Schicht. In der Zwischenzeit hätten aber schon ein oder zwei Blumen ihre Blüten öffnen sollen. Als mein Vormann mich um 4 Uhr morgens weckte, sagte er: Noch nix passiert. Keine Panik: vielleicht liegt’s ja am Wetter.

Aber auch in meiner Schicht: nix. Und so ging das die ganze Zeit weiter. Weder hat eine einzige Blume ihre Blätter geöffnet noch geschlossen. Zu keiner Zeit, weder früher, noch später. Überhaupt keine Bewegung.

Also fuhren wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause, erzählten in der Redaktion, wie es uns ergangen war. Dieter Saldecki (der damals zuständige Redakteur) entschied: Dann erzählen wir eben die Geschichte unseres Scheiterns.

Haben wir auch gemacht und als letzten Satz in der Erzählung gesagt: Wenn einer von Euch (Zuschauern) weiß, woran es gelegen haben könnte, lasst uns nicht dumm sterben.

Darauf kamen jede Menge Briefe, Tenor: Ihr seid auch doof. Blumen müssen sich an ihren Standort gewöhnen, in Blumentöpfen konnte das nicht klappen.

Sind wir zu einer Gärtnerei im Umfeld von Köln gezogen, haben erzählt, was wir vorhaben und gefragt, ob sie uns die Blumen ein Jahr lang pflegen könnten. – Kein Problem.

Ein Jahr später waren alle Pflanzen wunderbar gediehen, aber es war ein verregneter Sommer. Der zweite Versuch fiel buchstäblich ins Wasser.

Können wir die Blumen noch ein Jahr bei Ihnen lassen? – Ja, sicher, die stören nicht.

Wieder ein Jahr später, der dritte Versuch. Wieder nix. Da haben wir aufgegeben.

Schließlich haben wir noch an die Universität von Uppsala geschrieben, da hin, wo Carl von Linné das entdeckt hat. Antwort: Wir haben das auch schon versucht. Aber bei uns hat’s auch nicht geklappt. Wir können auch nicht sagen, woran es liegt. Das war’s!

 

 

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Was ist Ihre Lieblingssachgeschichte?

Immer die nächste, die gemacht werden muss. Sonst wird nichts draus.